
LEVI VAN LEEUWEN
Narzisstische Nebenwirkungen
Der Beziehungsalbtraum
Alisa entscheidet schnell.
David auch –
nur merkt er es später.
Die Beziehung beginnt intensiv.
Beschleunigt.
Ohne Zwischenräume.
Alisa liebt Aufmerksamkeit.
Sie liebt Wirkung.
Sie liebt das Bild, das von ihr entsteht.
David liebt Nähe.
Er hört zu.
Er erklärt.
Er versucht zu verstehen.
Was zunächst wie Gegensätze wirkt,
entwickelt eine eigene Logik.
Gespräche drehen sich.
Erklärungen werden Vorwürfe.
Erinnerungen verändern ihre Richtung.
David beginnt, an seiner Wahrnehmung zu zweifeln.
Nicht abrupt.
Schrittweise.
Was gesagt wurde, soll anders gemeint gewesen sein.
Was gefühlt wurde, gilt als Überreaktion.
Was schmerzt, ist angeblich Einbildung.
David sucht Hilfe.
Nicht gegen Alisa.
Sondern gegen die Verunsicherung.
Doch jede Geschichte hat mehr als eine Version.
Aus Alisas Sicht war alles umgekehrt.
Er war zu sensibel.
Zu kompliziert.
Nie eindeutig.
Vielleicht waren sie zusammen.
Vielleicht auch nicht.
Vielleicht war es Liebe.
Oder nur Projektion.
NARZISSTISCHE NEBENWIRKUNGEN IST EIN ROMAN ÜBER MACHT IN INTIMEN BEZIEHUNGEN. ÜBER WAHRNEHMUNG UND GEGENWAHRNEHMUNG.
UND ÜBER DIE FRAGE, WIE VIEL IDENTITÄT BLEIBT,
WENN EIN ANDERER BEGINNT, SIE ZU DEFINIEREN.
KEINE DIAGNOSE. SONDERN ZWEI ERZÄHLUNGEN,
DIE SICH NICHT DECKEN.
Veröffentlichung: 2.2.2022 (1. Auflage)
Taschenbuchausgabe: 301 Seiten (ISBN 979-8-3241-3797-7)
Hier erhältlich:
Als E-Book oder Taschenbuch.
Ausgabe wählen und bei Amazon bestellen.
Theatermonolog:
„Alisa – die Wahrheit gehört mir“
(Alisa sitzt auf einem Barhocker. Ein Glas in der Hand. Kein dramatisches Licht. Sie spricht ruhig. Fast beiläufig.)
ALISA:
Ich habe nichts zerstört.
Wenn jemand zerbricht,
dann war da vorher schon ein Riss.
David war… empfindlich.
Sehr viel Gefühl.
Sehr wenig Richtung.
Ich habe ihm geholfen.
Ich habe ihn ernst genommen.
Ihm Aufmerksamkeit gegeben.
Ihn gewählt.
Das vergessen Männer gern.
(Sie dreht das Glas zwischen den Fingern.)
Er sagt, ich hätte ihn manipuliert.
Was für ein Wort.
Als ob man Menschen gegen ihren Willen steuern könnte.
Er ist geblieben.
Immer wieder.
Ich habe nur reagiert.
Wenn ich Dinge anders erinnere als er,
dann weil ich genauer bin.
Ich merke mir Stimmungen.
Blicke.
Zwischentöne.
Er merkt sich Vorwürfe.
(Kurze Pause.)
Er wollte plötzlich „Grenzen“.
Ich finde das interessant.
Grenzen zieht man doch nur,
wenn man Angst hat.
Ich habe keine Angst.
Ich will Intensität.
Klarheit.
Bedeutung.
Wenn das für jemanden zu viel ist,
bin nicht ich das Problem.
(Sie lächelt – ohne Wärme.)
Er glaubt, er hätte sich befreit.
Vielleicht.
Aber man befreit sich nicht von dem Menschen,
der einem gezeigt hat,
wie sehr man gesehen werden kann.
Und das habe ich.
Ich sehe alles.
Theatermonolog:
„Ich bin kein Mensch. Ich bin das Maß.“
(Alisa steht im Licht. Kein übertriebener Glamour. Sie wirkt selbstverständlich.)
ALISA:
Applaus ist etwas Ehrliches.
Man bekommt ihn nicht aus Mitleid.
Er nennt mich narzisstisch.
Ich nenne mich konsequent.
Ich weiß, was ich will.
Ich weiß, was ich wert bin.
Und ich weiß, dass Menschen stärker werden,
wenn sie sich an etwas Größerem orientieren.
David hat sich an mir orientiert.
Ich habe ihm Richtung gegeben.
Maßstäbe gesetzt.
Er wusste plötzlich, wer er sein wollte.
Und jetzt behauptet er, ich hätte ihn zerstört.
Interessant.
Man wirft dem Maßband ja auch nicht vor,
dass es zeigt, was nicht passt.
Liebe?
Liebe ist nicht weich.
Liebe ist Auswahl.
Ich wähle.
Und wer gewählt wird,
sollte verstehen,
dass das ein Privileg ist.
(Pause.)
Ich bin kein Fehler in seiner Biografie.
Ich bin der Moment,
an dem er gemerkt hat,
wie klein er sich selbst gemacht hat.
Das tut weh.
Aber Schmerz ist nicht mein Verbrechen.

























