
LEVI VAN LEEUWEN
Tinderwahn & Vögelgrippe
Veronika Dankeschön & ihr Trieblauseffekt
Veronika Dankeschön will gesehen werden.
Nicht zufällig.
Nicht gelegentlich.
Sondern dauerhaft.
Auf digitalen Plattformen misst sie Resonanz in Zahlen.
Matches werden zu Beweisen.
Nachrichten zu Bestätigungen.
Begehren ersetzt Bindung.
Gemeinsam mit ihrer Freundin Kati führt sie einen Wettbewerb um Sichtbarkeit.
Wer mehr Aufmerksamkeit erzeugt, gewinnt.
Wer verliert, verschwindet.
Dann trifft sie Ferry.
Für ihn beginnt eine Beziehung.
Für sie ein weiteres Szenario.
Während Ferry Exklusivität erwartet, vervielfacht Veronika ihre Kontakte.
Parallel. Austauschbar. Steigerungsfähig.
Nähe bedeutet für sie Intensität – nicht Verbindlichkeit.
Verlust bedeutet Kontrollverlust.
Als Ferry sich entzieht, kippt das Verhältnis.
Digitale Dynamiken werden real.
Beobachtung wird Beharren.
Distanz wird Provokation.
Was als Spiel um Aufmerksamkeit begann, entwickelt eine Eigendynamik, die sich nicht mehr abschalten lässt.
Und hinterlässt Konsequenzen.
TINDERWAHN & VÖGELGRIPPE IST EIN ROMAN ÜBER BEGEHREN IM ZEITALTER DER SICHTBARKEIT. ÜBER BESTÄTIGUNG ALS WÄHRUNG. ÜBER DIE LOGIK DER STEIGERUNG.
UND ÜBER DIE FRAGE, WAS PASSIERT, WENN EIN MENSCH NICHT GELIEBT WERDEN WILL –
SONDERN BEGEHRT.
Veröffentlichung: 26.11.2024 (1. Auflage)
Taschenbuchausgabe: 321 Seiten (ISBN 979-8-3322-0900-0)
Hier erhältlich:
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Das Badezimmergespräch
(als Theatermonolog)
Ort: Ein schäbiges Bad. Zerbrochener Spiegel. Rosa Rasierer. Lippenstift auf den Fliesen. Licht flackert. Sie spricht zu sich selbst – oder zu Ferry, der längst weg ist. Vielleicht auch zu uns. Vielleicht zu niemandem.
(Veronika steht vorm Spiegel. Ihre Haare sind nass. Sie trägt ein viel zu großes Hemd. Es tropft. Sie starrt sich an.)
VERONIKA (leise):
Ich hab mich gelöscht.
Und keiner hat’s gemerkt.
Nicht mal die App.
Hat nicht mal gefragt:
„Sicher, dass du geh’n willst?“
(sie lächelt. schief.)
Du weißt, was das Schlimmste war, Ferry?
Nicht, dass ich dich betrogen hab.
Nicht, dass ich mich selbst nicht kannte.
Sondern dass ich gehofft hab,
du tust es trotzdem.
Mich kennen.
Mich lieben.
Mich retten.
(sie greift nach dem Lippenstift, malt sich was ins Gesicht, vielleicht ein Herz, vielleicht ein Kreis)
Ich hab dich benutzt
wie einen Feuerlöscher –
und trotzdem weitergebrannt.
Ich war eine Brandstifterin
mit Sehnsucht nach Umarmung.
(sie lehnt sich an die kalten Fliesen)
Ich wollte nur jemand sein.
Irgendwer.
Für irgendwen.
Für dich.
Aber ich war nur:
Ein Bild auf deinem Handy.
Ein Pixelproblem.
Ein Witz mit Unterleib.
(pause)
Ich dachte, Liebe wär was zum Festhalten.
Aber sie ist nur:
Was du loslässt,
wenn du dich selbst festhältst.
(sie wischt sich über den Mund, schaut sich an, dann direkt in den Spiegel – fast zärtlich)
Und weißt du was?
Wenn ich mich jemals wieder finde,
werd ich nicht matchen.
Ich werd flüstern.
Mir selbst.
„Hi. Ich war da. Ich hab’s überlebt.“

























